John Smith & Bernard M. Wolf: A world central Bank?

Essay zum Hauptseminar

Internationaler Währungsfond und Reform der Internationalen Fianazarchitektur

Sommersemester 2003, Sitzung vom 01.07.03

Die Idee einer Weltwährung unter der Regie einer Weltzentralbank ist mehr als utopisch, fraglich ist auch, ob eine Weltwährung überhaupt sinnvoll wäre: Die Autoren des Textes weisen darauf hin, dass alle Mechanismen, die es einer “kleinen bis mittleren Volkswirtschaft ermöglichen, ihre wirtschaftlichen Ziele zu beeinflussen” (nicht: “bestimmen”), noch einer nationalen Währung bedürfen. Leider verraten sie uns an dieser Stelle nicht, wie diese Mechanismen denn aussehen sollen.
Die zweite Gruppe von Vorschlägen lehnt sich an das Konzept der ICU der Bretton-Woods-Systems an. Damit ist sie meiner Meinung nach aber eher Geschichte als Zukunft, denn wer will heute wieder zurück zu Bretton-Woods?
Als letzte Alternative bliebe noch die hegemonische Variante. Der einzig realistische Vorschlag, so realistisch, dass er keine Alternative sein kann als vielmehr eine Beschreibung des Status Quo.
Nach der Lektüre des Textes drängt sich mir der Eindruck auf, dass es in absehbarer Zeit keine Reform der internationalen Finanzinstitutionen geben wird. Dann aber ist aber zu befürchten, dass Wachstum und Funktionieren┬á nationaler Volkswirtschaften mehr und mehr zu einem “Nebenprodukt” der Kapitalmärkte wird. Ist das die neue Welt(un)ordnung?

Susan Strange: Casino Capitalism

Essay zum Hauptseminar

Internationaler Währungsfond und Reform der Internationalen Fianazarchitektur

Sommersemester 2003, Sitzung vom 17.06.03

Die Gründe für die Veränderungen der weltweiten Finanzmärkte sieht Strange in einer Reihe von Entscheidungen haupsächlich der amerikanischen Regierung, die sie im zweiten Kapitel ihres Buches bereits aufgezählt hat (vgl. dazu auch Strange 1998 S. 5-9). In diesem Abschnitt möchte sie alternative Interpretationen aufzeigen, die die Ursache der Entwicklungen nicht in der Finanz- oder Geldpolitik verorten.
Diese Interpretationen lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Die deterministische(n) Variante(n) bietet/n keine wirkliche Erklärung und verweist/en auf technischen Fortschritt oder andere Rahmenbedigungen, die die Handlungen der Politik diktierten. Für andere ist schlechte Wirtschafts- insbesondere Handelspolitik die Ursache.
Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die unterschiedlichen Personen und Interpretationen eingehen. Einzig die (post-)keynesianistischen Ansätze von Triffin und Minsky scheinen mir interessant, insbesondere Minsky, weil er keine “Schuldzuweisung” vornimmt und eine systemimmanente Erklärung sucht.
Wir werden wohl kaum klären können, ob es Alternativen zu den von Strange angeführten Entscheidungen gab. Könnten wir deshalb versuchen, die Rolle des Kreditwesens im Kontext des Edmund-Textes noch einmal zu beleuchten?

Schulz vs. Berlusconi

Schon einen Tag nach Amtsantritt proviziert der neue EU Ratspräsident Silvio Berlusconi einen handfesten Skandal im Europaparlament, als er kritische Fragen des deutschen Abgebeordneten Schulz mit einen Nazispruch kontert.

Schulz:

Sie sind nicht verantwortlich, Herr Ratspräsident, für die Intelligenzquotienten Ihrer Minister, aber verantwortlich für das, was die sagen, sind Sie schon. Die Äußerungen von Bossi, Ihrem Minister für die Einwanderungspolitik, die Sie in Ihrer Rede erwähnt haben, sind in keiner Weise vereinbar mit der Grundrechte-Charta der Europäischen Union. Sie sind als Ratspräsident aufgefordert, diese Werte zu verteidigen. Dann verteidigen Sie diese Werte gegen Ihren eigenen Minister!
[...]
Jetzt ist man hier in diesem Haus seit Tagen immer in der schwierigen Situation. Wenn man über die italienische Präsidentschaft redet, dann heißt es immer: Ja, nun seid vorsichtig, dass Ihr den Berlusconi nicht kritisiert wegen dem, was er in Italien tut, denn das hat ja hier im Europäischen Parlament nichts verloren. Wieso? Ist Italien nicht Mitglied der Europäischen Union?

Schulz bohrt nach:

Was gedenken Sie zu tun zur Beschleunigung der Einrichtung einer Europäischen Staatsanwaltschaft? Was gedenken Sie zu tun zur Beschleunigung des In-Kraft-Tretens des europäischen Haftbefehls? Was gedenken Sie zu tun bei der gegenseitigen Anerkennung von Dokumenten in grenzüberschreitenden Strafverfahren? Da hätten Sie übrigens in Ihrem eigenen Land ein bisschen Reformbedarf, was die Dokumentenechtheit angeht. Wenn Sie im eigenen Land eine Reform durchführen, könnte nämlich der europäische Haftbefehl viel schneller in Kraft treten.

Die harsche Antwort Berlusconis (laut dpa-Übersetzung aus dem Italienischen):

Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt.

Hansjörg Herr: Keynes und seine Interpreten

Essay zum Hauptseminar “Internationaler Währungsfond und Reform der Internationalen Fianazarchitektur“, Sommersemester 2003, Sitzung vom 03.06.03

Der Aufsatz von Herr bietet einen guten Einstieg in die Interpretation Keynes. Dabei ist zu betachen, dass die Interpretationen deutlich voneiander abweichen, weil unterscheidliche Schwerpunkte gesetzt oder Teile von Keynes Werk ausgeblendet werden.
Keynesianismus wird meist auf die Fiskalpoltik beschränkt. Von Seiten neoliberaler und neoklassischer Interpreten wird Keynes sogar eine Tendenz zu sozialistischen Wirtschaftmodellen unterstellt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Keynesianismus nach dem 2. Weltkrieg, spätestens aber seit Ende des Bretton-Woods-Systems und Beginn der grossen Globalisierungswelle, weitgehend aus der wissenschaftlichen Diskussion verdrängt wurde.
Meiner Meinung nach ist der keynesianistische Ansatz nach wie vor aktuell, er leistet bei der Analyse ökonomischer Vorgänge gute Dienste und erklärt Phänomene, vor denen andere Ansätze wie die Klassik oder Neoklassik kapitulieren müssen.
Allerdings wird auch deutlich, dass die Leistungen, wie bei allen theoretischen Modellen, begrenzt sind. Warum gibt es dann statt der vorherrschenden neoklassischen Interpretation aber keine Weiterentwicklung des Keynesianismus (gerade nicht im Sinne des Neo- oder Neu-Keynesianismus), die das Paradigma der Globalisierung stärker berücksichtigt?