Paul Cammack: Governing Global Capitalism

Essay zum Hauptseminar

Internationaler Währungsfond und Reform der Internationalen Fianazarchitektur

Sommersemester 2003, Sitzung vom 15.07.03)

Indem er Marx’ klassischen Historischen Materialismus als Ausgangspunkt seiner Analyse des Handelns von Weltbank und IWF nutzt, beweist Cammack, dass Marx’ Konzepte geschichtlich nicht überholt sind.
Hinter den ‘makroökonisch klingenden’ Regeln, die der IWF aufstellt, stecken oftmals handfeste Interessen. Auch zwischen den proklamierten Zielen (wie Armutsbekämpfung) und den Auswirkungen der Programme (zunehmende Proletarisierung), gibt es gewaltige Differenzen.
Obwohl Cammacks Übertragung des Histomat im grossen und ganzen geglückt scheint, ist mir seine Interpretation an einigen Punkten willkürlich. Den Begriff des Klassenkampfes verwendet er meiner Meinung mißbräuchlich. Abgesehen davon empfinde ich Sätze mit mehr als 160 Wörtern als Zumutung für den Leser.
Interessant finde ich aber folgende (theoretische) Überlegung:
Wenn die Trennung von Arbeit und Produktionsmitteln das Zeitalter des Kapitalismus eingeleitet hat, ist dann die jetzt beobachtete Lösung des Kapitals an den Finanzmärkten von den ‘realen’ Arbeits- und Warenmärkten der Auftackt zu einer neuen Periode eines – nennen wir es mal – globalisierten Super-Kapitalismus?

Rainer Falk: Die Reform des Internationalen Währungsfonds

Essay zum Hauptseminar

Internationaler Währungsfond und Reform der Internationalen Fianazarchitektur

Sommersemester 2003, Sitzung vom 08.07.03

Rainer Falk macht eine Vielzahl sehr konkreter Vorschläge zur Reform des IWF, wenngleich er auch anmerkt, dass viele der Vorschläge vom heutigen Standpunkt aus unrealistisch erscheinen.
Die wohl grundlegenste Reform ist im Bereich der Governance notwendig. Erst sie ermöglicht die ‘technischen’ Veränderungen beispielsweise in der Ordnungs-, Währungs- und Liquiditätspolitik.
Was aber die Chancen auf eine Umsetzung betrifft, so bin ich sehr skeptisch. Das „Roll-Back“ der Bush-Administration ist unübersehbar, und auch bei anderen (G7-)Ländern kann ich wenig Bereitschaft zu Veränderungen erkennen. Schließlich würden bei der skizzierten Reform mit Ausnahme Japans alle G7-Nationen prozentual sogar stärker verlieren als die Vereinigten Staaten. Der „neoliberale Mainstream“ gewinnt also an Einfluss und forciert Prozesse, die sich verselbständigen und eine starke Eigendynamik entwickeln.
Wie also sollen die Enwicklungs- und Schwellenländer ihre Interessen und Handlungsspielräume wahren? Das Argument der Legitimität und Representativität wird jedenfalls kaum ausreichen, um die Industrienationen davon zu überzeugen, ihre strukturelle Vormachtstellung aufzugeben.