Münster im Ausnahmezustand

So, ich muß dann doch noch was zum Achtelfinale gegen Schweden schreiben, denn so etwas habe ich seit dem letzten WM-Finale nicht mehr gesehen. Die Bilder, die ich bei der anschließenden Party auf dem Ludgerikreisel gemacht habe, sprechen für sich (auch wenn die Qualität arg zu wünschen übrig läßt).

Nach dem Achtelfinale Nach dem Achtelfinale
Nach dem Achtelfinale Nach dem Achtelfinale

Wagner leistet Abbitte

Den heutigen 23. Juni 2006 sollte man sich rot im Kalender anstreichen: Franz Josef Wagner, Schmierenkolumnist Chefkolumnist und Poet der Bild-Zeitung, schreibt einen herzzerreißenden Brief an Bundestrainer Jürgen Klinsmann:

Lieber Jürgen Klinsmann

sollten Sie, Gott bewahre, morgen gegen Schweden rausfliegen, werde ich nicht schreiben „Klinsi raus“, sondern „Klinsi bleib“.

Ich war, als Sie Bundestrainer wurden, Ihre schreibende Blutgrätsche. Grinsi-Klinsi, FC Kalifornia, FC Beach Boys, FC First Class Lufthansa – das war ich. Ihre Besserwisserei ging mir auf die Nerven. Ihr Gummibandtraining, Ihre E-Mails, Ihr Laptop-Training, Ihre Fitness-Amerikaner …

Ich haßte das Neue. Es war wie ein Frevel an Herberger, Fritz Walter, Beckenbauer, Völler. Die alten Götter zogen sich die Stutzen herunter und kämpften, bis sie tot umfielen.

Sie sind anders. Sie sind smart. Sie sagen Dream statt Traum. Sie sagen Power statt Kraft. Sie sagen Energy statt Seele.

Verzeihen Sie mir, lieber Jürgen Klinsmann, daß ich Sie in meiner Engstirnigkeit für einen Idioten hielt. Ich habe mich geirrt.

Herzlichst
Ihr F. J. Wagner

Bild-Zeitung vom 23.06.2006

Telekom veröffentlicht Firmware unter GPL

Ich hätte ja so einiges von der Telekom erwartet, aber das mit Sicherheit nicht: Zwischen Bedienungsanleitungen, die so hochkomplizierte Dinge wie fixe IP-Adressen oder die Installation eines Druckerports unter Windows behandeln, findet sich eine Kopie der GNU General Public License und der komplette Quellcode für die linuxbasierte Firmware des “Speedport W 501 V” WLAN-Routers.

Obwohl ich nur für einen Freund nach einer Bedienungsanleitung suche, muß ich mir das doch mal genauer anschauen: In dem gut 31 MB großen tar.gz befinden sich weitere Archive: In einem Paket finden sich busybox und die uClibc, in einem weiteren ein 2.4.17er-Kernel. Außerdem gibt es noch eine modifizierte libosip (nur bei Routern mit VoIP-Funktion). Alle Pakete scheinen aus alten Debian-Unstable Quellen zu stammen.

Die Firmware für den Speedport W 500 V fällt mit rund 90 MB deutlich umfangreicher aus, hier gibt es einen 2.6er-Kernel mit fast allem, was das Herz begehrt, u. a. bridge-utils, busybox, ftpd, iptables, openssl, pppd, siproxd und sshd. Das Erstellen eines neuen Firmware-Images ist denkbar einfach: Nach dem Entpacken der Sourcen den Installer aufrufen:

./consumer_install

Dadurch werden die Sourcen und uClibc-Crosstools nach /opt/bcm963xx_router installiert, allerdings liegen die Crosstools leider nur als RPM vor.

cd /opt/bcm963xx_router
make PROFILE=96348GWV_DT

Nach ca. 10 Minuten (je nach Rechner) erhält man ein ca 3.5 MB großes Image. Da der Router über einen 4 MB-Flash-Speicher verfügt, bleibt also noch ein halbes MB für eigene Ideen (WINS-Support? CUPS?). Hoffentlich bekomme ich in nächster Zeit mal einen Speedport zum Testen in die Hand.