AVM Fritzcards und Fedora Core 4

Update 08.08.2006: Nutzer von Fedora Core 5 lesen bitte diesen Artikel.

Nachdem mit dem heutigen Update der selinux-policy-targeted Unterstützung für das capifs bereitsteht, nehme ich mir die Zeit, ein kurzes HowTo zur Verwendung der AVM FritzCards unter Fedora Core 4 zu schreiben.

Zumindest die internen ISDN-FritzCards arbeiten mit den bewährten Hisax-Treibern unter Fedora auf Anhieb problemlos, wer aber für Anwendungen wie Fax-over-ISDN die proprietären CAPI-Treiber von AVM nutzen will, muß aufgrund der Probleme mit udev ein wenig Handarbeit anlegen. Dazu später, ersteinmal gilt es, das AVM Kernelmodul fcpci zu installieren. Für die Fritzcard PCI gibt es fertige Pakete bei Axel Thimm, für andere Karten wie die FritzCard DSL muß man sich das Kernelmodul selbst bauen.

ISDN deaktivieren:

service isdn stop
chkconfig isdn off

Falls die Fritzcard in der Netzwerkkonfiguration system-config-network als Ethernet-Gerät auftaucht, diesen Eintrag löschen. Von der Konsole kann man das erledigen, indem man die Datei /etc/sysconfig/idsncard löscht/verschiebt und außerdem den entprechenden „alias ethX hisax“ aus der Datei /etc/modprobe.conf löscht. Jetzt sollten bei Booten keine ISDN Module mehr geladen werden.

Installation mittel yum:

yum --enablerepo=at-stable install fcpci

Sollte yum dabei durcheinander kommen und Euren Kernel up- oder downgraden sollte, versucht es mit:

yum --enablerepo=at-stable install fcpci-kmdl-`uname -r`

Eigenbau des Moduls:

Wer dennoch das Kernelmodul selbst bauen möchte oder muß, läd es sich vom AVM-FTP-Server herunter, für die Fritzcard DSL und einen aktuellen 2.6.12er Kernel zum Beispiel das Archiv fcdsl-suse93-3.11-07.tar.gz.

Zum Übersetzen muß das Paket kernel-devel (des aktuellen Kernels) installiert sein.

yum install kernel-devel
wget ftp://ftp.avm.de/cardware/fritzcrd.dsl/linux/suse.93/fcdsl-suse93-3.11-07.tar.gz
tar xzf fcdsl-suse93-3.11-07.tar.gz
cd fritz
make
make install
depmod -ae

Die letzen beiden Befehle müssen als root ausgeführt werden, bei der DSL Karte muß root zusätzlich noch die Firmware fdslbase.bin nach /usr/lib/isdn kopieren:

cp fdslbase.bin /usr/lib/isdn.

Wenn depmod keine Fehler gebracht hat, geht es weiter mit der Anpassung der /etc/capi.conf. Da diese nicht im Paket von Axel Thimm enthalten ist, poste ich meine mal in voller Länge. Bis auf die eingebaute Karte müssen alle anderen Einträge auskommentiert sein.

# card file proto io irq mem cardnr options
#b1isa b1.t4 DSS1 0x150 7 – – P2P
#b1pci b1.t4 DSS1 – – – –
#b1pci – – – – – –
#b1pci – – – – – – P2P
#b1pciv4 b1.t4 – – – – –
#c2 c2.bin DSS1 – – – –
#c2 – DSS1 – – – –
#c4 c4.bin DSS1 – – – –
#c4 – DSS1 – – – –
#c4 – DSS1 – – – – P2P
#c4 c4.bin DSS1 – – – – P2P
#t1isa t1.t4 DSS1 0x340 9 – 0
#t1pci t1.t4 DSS1 – – – –
#fcclassic – – 0x300 5 – –
fcpci – – – – – –
#fcpcmcia – – – – – –
#fcpnp – – 0x150 10 – –
#fcdsl fdslbase.bin – – – – –
#fcdsl2 fds2base.bin – – – – –
#fcusb – – – – – –
#fcusb20 fus2base.frm – – – – –
#fcusb21 fus3base.frm – – – – –
#fxusb – – – – – –
#fcdslusb fdsubase.frm – – – – –
#fcdslsl fdssbase.bin – – – – –
#fcdslslusb fdlubase.frm – – – – –

Wer denkt, jetzt die capi mittels capiinit starten zu können, irrt sich. Zuerst gilt es noch, zwei udev-Rules anzulegen. Ich habe das in der Datei /etc/udev/rules.d/10-capi.rules getan:

SYSFS{dev}=“68:0″, NAME=“capi20″
SYSFS{dev}=“191:[0-9]*“,NAME=“capi/%n“

(Hintergründe dieses dirty Hacks in diesem Bugzilla Eintrag)

Immer noch meldet capiinit beim ersten Start, daß kein /dev/capi20 vorhanden ist, udev erstellt es leider erst, nachdem capiinit scheitert. Deshalb ein weiterer kleiner Hack:

cd /etc/udev/devices
mknod -m 666 capi20 c 68 0

Auch nicht schön, aber der Aufruf von capiinit sollte jetzt keine Fehler mehr produzieren und alle Module laden. Wir überprüfen das:

# lsmod
Module Size Used by
fcpci 589592 0
capi 17537 0
kernelcapi 46561 2 fcpci,capi
capifs 5961 2 capi
...

Sieht gut aus, jetzt ist es an der Zeit, ein init-Skript zu erstellen, um die Capi automatisch beim Systemstart zu laden. Mein /etc/init.d/capi sieht so aus:

#!/bin/sh
#
# capi Script to start and stop capi for passive ISDN Cards
#
# chkconfig: – 55 45
# description: capi4linux is a CAPI 2.0 Implementation by AVM # for passive ISDN-Cards like the die Fritz!Cards
# probe: true

# Source function library.
. /etc/rc.d/init.d/functions
[ -f /sbin/capiinit ] || exit 0
[ -f /etc/capi.conf ] || exit 0
RETVAL=0

# Starten oder stoppen?
case „$1“ in
start)
# Start
echo -n „Starting capi4linux: “
## If you have trouble with capiinit load the modules
## with modprobe. Should not be necessary at the moment!
# modprobe capifs
# modprobe kernelcapi && modprobe capi && modprobe fcpci
/sbin/capiinit
RETVAL=$?
echo
;;
stop)
# Stop.
echo -n „Stopping capi4linux: “
/sbin/capiinit stop
## removing capifs DOES NOT work (Module in use)
# rmmod capifs
RETVAL=$?
echo
;;
status)
capiinfo
exit $?
;;
restart)
$0 stop
$0 start
;;
*)
echo „Usage: capi {start|stop|status|restart}“
exit 1
esac

exit $RETVAL

Drei Handgriffe, damit unser neues Script bei jedem Boot ausgeführt wird:

chmod +x /etc/init.d/capi
chkconfig --add capi
chkconfig capi on

Bevor ihr neu bootet stellt sicher, daß ihr mindestens selinux-policy-targeted-1.25.4-10 installiert habt oder SELinux deaktiviert/im permissive Mode läuft, anderenfalls werdet ihr eine Menge Kernel-Oopses sehen, bei mir waren es 118 nur während des Bootens (mehr dazu hier).

Auf die Konfiguration der des ppp gehe ich an dieser Stelle nicht mehr ein, die Dokumentation von AVM sollte ausreichen. Für alle, die es gerne ausführlich mögen:

GoogleTalk und die Zukunft von Google

Google, der Marktführer unter den Suchmaschinen, hat ein neues Produkt am Start: Den Messenger GoogleTalk. Mit GoogleTalk können Nutzer von Googles E-Mail Dienst Gmail mit fast allen ihren Freunden via Internet chatten und telefonieren, egal welches Programm oder Protokoll diese nutzen. Bisher werden leider nur GMail Konten unterstützt, aber ICQ und die Protokolle von AOL und MSN sind in Planung, weitere können folgen, da GoogleTalk das OpenSource Protokoll Jabber bzw. den daraus entwickelten XMPP-Standard nutzt.

Für Windows steht eine englischsprachige Version von GoogleTalk zum Download bereit. Nutzer anderer Betriebssysteme können den Dienst mit anderen Clients nutzen, die das Jabber Protokoll beherrschen, allerdings müssen sie dabei auf die Möglichkeit der Internettelefonie verzichten.

Pünktlich zur Einführung von GoogleTalk macht sich der Spiegel Gedanken über die Zukunft des Unternehmens Google. Thomas Hillenbrand hat einen lesenswerten Artikel verfasst, in dem er 5 Szenarien skizziert, wo Google im Jahr 2010 steht. Ich persönlich denke, keiner seiner Entwürfe zutreffen wird, vielmehr wird die „Krake Google“ von allem etwas machen; Suche, Digitales Archiv, Messenging und vorallem personalisierte Werbung.

OpenSuSE online

Novell folgt Red Hat und wandelt SuSE Linux in ein Open Source Community Projekt um. Das bisherige SuSE Linux wird damit kostenlos, lediglich die Buisness-Versionen und der Support sind kostenpflichtig. Seit gestern ist OpenSuSE.org mit Webseite und CD-ISOs online.

Digital DJ unter Fedora Core 3

Den Ripper Grip kennt wohl ambitionierte jeder Linux Nutzer, das Tool DigitalDJ aber nicht, auch mir war es bisher unbekannt. DigitalDJ ist ein SQL-basiertes Frontend für beliebige MP3 Player, das mit Grip zusammenarbeitet. Legt man eine CD ein, wird ein entsprechender Datensatz in der (My)SQL Datenbank angelegt.

Alle meine CDs in einer SQL Datenbank, das wollte ich schon immer! Ich lade mir also das Binary digitaldj-0.7.5-1.i386.rpm runter und installiere es. Leider wird der Aufruf von ddj mit einem Speicherfehlern quittiert. Also lade ich mir das Source-RPM digitaldj-0.7.5-1.src.rpm

Damit das Paket gebaut werden kann, muß das Paket gdk-pixbuf-devel installiert sein:

yum/up2date install gdk-pixbuf-devel

Danach kann man das Paket neu bauen:

rpmbuild --rebuild digitaldj-0.7.5-1.src.rpm

Beim ersten Start versucht DigitalDJ, die benötigte MySQl Datenbank anzulegen. Solange kein MySQL-Rootpasswort vergeben wurde, klappt dies automatisch, wenn ein Passwort eingestellt wurde, muß dieses einmalig in den Optionen eingegeben werden. Genauere Informationen dazu und zur manuellen Installation der Datenbank finden sich in der ReadMe.

Wer Grip gewohnt ist, wird sich mit der verschachtelten Oberfläche schnell anfreunden können, Liebe zu den Gnome „Human Interface Guidelines“ sieht aber anders aus. Nun steht dem Musikvergnügen und Verwaltungswahn nichts mehr im Wege.

Adobe schluckt Macromedia

Wie ich erst heute mitbekommen habe, wird der kalifornische Grafikspezialist Adobe – bekannt für das Portable Document Format (PDF) – seinen Mitbewerber Macromedia (u. a. Flash) für rund 3,4 Milliarden US $ übernehmen.

Im Zuge eines Aktientausches erhalten die bisherigen Macromedia Aktionäre 0,69 Adobe Anteile pro Aktie. Bei dem Freitagsschlusskurs von 41,86 $ entspricht dies einem 25%igen Aufschlag gegenüber dem letzten Kurs der Macromedia-Aktie von 33,45 $. Die Vorstände beider Firmen empfahlen ihren Anteilseignern eine Annahme des Angebotes. Bis zum Herbst soll der Tausch abgeschlossen sein.

Die Pressemeldungen: Eine von Adobe und eine von Macromedia

TVTime: Probleme mit der RealTimeClock

Nach der Installation von Fedora Core 3 erscheint beim Start von TVTime folgende Fehlermeldung auf der Console:

Starte tvtime 0.9.15.
rtctimer: Cannot set periodic interval: Keine Berechtigung

Konfiguration des Zeitgebers (RTC) auf 1024 Hz fehlgeschlagen. Diese hohe Frequenz ist nötig, um ein ruckelfreies Bild zu gewährleisten. Bitte starten Sie tvtime mit root-Rechten oder erhöhen Sie die maximale RTC-Auflösung, indem Sie als root folgendes Kommando ausführen:
sysctl -w dev.rtc.max-user-freq=1024
Weitere Informationen finden Sie unter http://tvtime.net/.

Temporär läßt sich das Problem also mit
sysctl -w dev.rtc.max-user-freq=1024 beheben.

Damit „dev.rtc.max-user-freq = 1024“ auch nach einem Reoboot zur Verfügung steht, fügt man den Wert in /etc/sysctl.conf ein:
echo "dev.rtc.max-user-freq = 1024" >> /etc/sysctl.conf
! Wichtig: Zwei >, ansonsten wird der bestehende Inhalt der Datei gelöscht, anstatt die Zeilen anhzhängen!

Fedora Core 3 veröffentlicht

Seit heute gibt die neue, mittlerweile dritte Version von Fedora Core, dem Nachfolger von Red Hat Linux. Highlights der neuen Version sind u. a. Gnome 2.8 mit Evolution, KDE 3.3, und die stabilen Versionen von Mozilla Firefox und Thunderbird.

Wichtige Standardanwendungen wurden aktualisiert: Openoffice kommt als 1.1.3 und Gimp als 2.2. XFCE 4.2 hat es leider nicht mehr in Core 3 geschafft, allerdings gibt es RPMs als auf der XFCE Homepage.

Für Fedora Core 2 User lohnt ein Update meiner Meinung nach derzeit noch nicht, da die Fedora Extras noch nicht aktualisiert sind. Sie werden demnächst nicht mehr vom Fedora Project gehostet, sondern werden die Infrastruktur von Red Hat nutzen (inkl. Bugzilla).

Red Hat 9 Deutsch veröffentlicht

Seit heute gibt es das neuste Red Hat Linux 9 auch in Deutsch und in vielen anderen Sprachen. Die englische Version lag bereits seit März vor. Was ist neu?

Nach dem letzten Release, der Version 8.0 legt die amerikanische Softwareschmiede nun gleich Red Hat Linux 9 vor. Scheinbar hat man die Schwächen der vorherigen Version erkannt und deshalb auch keine 8.1 herausgebracht (angeblich gab es eine Beta, die auf den Namen ‚Phoebe‘ hörte), sondern einen Strich gezogen und mit ‚Shrike‘ ganz neu angefangen. Die neue Distribution umfasst 6 CDs, allerdings brauchen nur Entwickler die CDs 4 bis 6 mit den Quellen.

Die Installation hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht verändert, wirkt insgesamt aber noch etwas glatter und einfacher. So wurde zum Beispiel der Mauscursor überarbeitet und kommt jetzt mit Antialiasing daher. Liebe zum Detail, technisch aber nicht viel neues. Keine 3D-Unterstützung für meine Nvidia Grafikkarte, aber das war auch nicht zu erwarten, das das entprechende Kernelmodul Closed-Source ist. Mit LCD-Displays tut sich die automatische Hardware-Erkennung nach wie vor schwer, von Hand konfiguriert läuft aber alles problemlos.

Nach der Installation hat man einen komplett eingerichteten aber sehr aufgeräumten Desktop vor sich. Insbesondere die verwirrende Anordnung der Programme im Startmenü, die es zuvor gegeben hatte, ist jetzt passé und alles findet sich da, wo es sein sollte. Das Red Hat eigene ‚Bluecurve‘-Design läßt die Unterschiede zwischen Gnome und KDE verschwinden. Gnome ist wie bei Red Hat üblich die Standardeinstellung. Die Integration der virtuellen Ordner von Gnome (‚Hier starten‘,’Systemeinstellungen‘) geht unter KDE 3.1 weiter. Ich kann mich schwer entscheiden, letztendlich bleibe ich mal wieder bei KDE, weil mich die neuen „Tabs“ (kennt man schon von Mozilla) im Konqueror so begeistern.

Nach der anfänglichen Freude machen sich aber auch Nachteile bemerkbar: Der DVD-Player Xine ist nicht mehr an Bord und XMMS fehlt – aus patentrechtlichen Gründen, wie einem eine freundliche Fehlermeldung beim Öffnen mitteilt – das MP3-Plugin. Beides läßt sich aber problemlos aus dem Netz nachinstallieren.

Ansonsten lässt die Softwareauswahl kaum Wünsche offen: Open Office 1.0.2 sollte für die meisten Anwender mehr als ausreichen. Zum Surfen im Internet stehen Mozilla 1.2.1 und die Browser Galeon bzw. Konqueror der Desktopumgebungen Gnome und KDE zur Verfügung, ebenso wie deren Emailclients Ximian Evolution bwz. Kmail. Von allem also reichlich und die Auswahl der Software bleibt – bis auf Klassiker wie Gimp – dem Geschmack des Anwenders überlassen.

Die Hardware-Unterstützung wurde weiter verbessert. KDE verfügt jetzt über zumindest eingeschränkte Brennerunterstützung, ühnlich wie bei Windows XP kann man sofort CDs brennen. Kabellose Netzwerke oder DSL-Verbindungen lassen sich bequem einrichten, Digitalkameras und USB-Geräte werden besser unterstützt. Für Besitzer der Fritzcard DSL gilt: Die CAPI-Unterstützung ist bei Red Hat bereits seit Version 8.0 im Linux-Kernel enthalten, das Übersetzen der restlichen Module sollte kein Problem darstellen.

Sonst bleibt vieles beim Alten und Altbewährten, so dass der Kenner keine Überraschungen erlebt.

Fazit: Stegige Evolution. Mit der Linux 9 legt Red Hat eine solide Linux-Distribution vor, die die Erwartungen erfüllen kann. Die Versionsnummer scheint im Vergleich zu einer aktuellen SuSE Distribution allerdings etwas zu hoch gegriffen, Schuld daran ist ist wohl die eher schwache Version 8.0. Wer regelmäßig mit dem Red Hat-Tool ‚up2date‘ sein System aktualisiert, ist sollte auch jetzt schon auf der ’sicheren Seite‘ sein. Ich habe genau das schon länger nicht mehr gemacht und deshalb werde ich in den n&auml:chsten Tagen upgraden (momentan benutze ich noch die 7.3 und konnte für diesen Test auch nur mal kurz mit einer englischen 9.0 arbeiten). Dabei empfehle ich allen, die schon viele Veränderungen in ihrem Betriebssystem vorgenommen haben, eine Neuinstallation an stelle eines Updates. Ansonsten gilt wie immer: Never touch a running System!