Der fehlende Buchstabe

Designer und Typographen atmen auf, aber eine Menge Leute werden sich jetzt die Haare raufen, denn nach vielen Jahren ist es endlich soweit: Aller Voraussicht nach wird das versale Eszett, also der fehlende Großbuchstabe zum scharfen S (ß) noch dieses Jahr offizieller Bestandteil der internationalen Zeichensätze Unicode bzw. ISO 10646, wahrscheinlich unter dem Codepoint “uni1E9E” im Block “Latin Extended Additional”.

Hintergrund ist die Tatsache, daß man beispielsweise das Wort “GROßBUCHSTABEN” nicht in eben solchen schreiben kann. Da das kleine ß deplaziert zwischen den restlichen Majuskeln wirkt, wird es in der Regel durch ein doppeltes S ersetzt, also “GROSSBUCHSTABEN”, früher auch durch SZ, also “GROSZBUCHSTABEN” (bei mehrdeutigen Begriffen wie “Maße” und “Masse” oder “Buße” und “Busse” bis 1996). Spätestens bei Eigennamen müßte man aber die ursprüngliche Schreibweise erraten, was bei amtlichen Dokumenten wie Ausweisen oder Geburtsurkunden natürlich ein Unding ist. Deshalb wird dort bisher immer das kleine ß verwendet.

Versales Eszett

Bemühungen um eine offizielle Anerkennung des großen Eszett gibt es schon seit mehr als 128 Jahren, und schon früher gab es eine Reihe von Schriften mit versalem scharfen S, aber keine von ihnen hatte es bisher ins Computer-Zeitalter geschafft. Wir werden uns also bald langfristig auf neue Tastaturen bzw. Tastaturbelegungen, Schriftenarten und alle damit verbundenen Probleme einstellen müssen. Einige Schriften mit Versal-Eszett gibt es bereits als (teils freie) Downloads, beispielsweise bei German Type Foundry oder bei Signographie.de. Unter beiden Adressen findet man auch weitere Informationen zum Thema:

Via: Süddeutsche – Kultur

Firmware-Upgrade leicht gemacht

Mein neuer WLAN-Router kommt mit einer genial einfachen Firmware-Upgrade-Funktion daher:

Zum Upgrade der Firmware gehen Sie bitte wie folgt vor:

  1. Laden Sie sich die neueste Firmware-Datei herunter.
  2. Starten Sie einen TFTP-Server auf Ihrem PC oder im LAN und setzen Sie die Datei in den Pfad des TFTP-Servers.

Noch Fragen?

Deutsche Sprache, schöne Sprache

Immer wieder prophezeien uns Pessimisten den Untergang unserer Muttersprache. Aber keine Angst, es gibt ja noch die Deutsche Telekom T-Com. Die hat neben “Call & Surf Paketen” und einer “XXL Fulltime Flatrate” noch so schöne Dinge im Angebot wie diese Bedienungsanleitung mit dem grammatikalisch nicht ganz überzeugenden Titel “Das Systemtelefone T-PX721″. Und dort finden sich dann schöne Wörter wie “leichtes Sprechzeug”.

Ihr wisst nicht, was leichtes Sprechzeug ist?

Kein Grund zur Eile!

  Status Ihrer Störungsmeldung 39477092  
  Störungsnummer 39477092  
  Gestörtes Produkt Speedport 500V  
  Status 7  
  Annahmezeitpunkt 14.10.2006, 13:18 Uhr  
  Entstörungsfrist gemäß AGB 17.10.2006, 00:00 Uhr  
  Letzte Änderung 14.10.2006, 14:05 Uhr  

Die Tatsache, daß die Entstörungsfrist seit mehr als 6 Wochenen abgelaufen ist, beeindruckt meinen Provider offenbar nicht wirklich. Warum auch, er hat ja nichts zu befürchten: Störungen, Fristen zu ihrer Beseitigung oder gar Forderungen, die ich aufgrund einer andauernden Störung stellen kann, werden in den AGB mit keinem Wort erwähnt.

Messe-Rückblick

In den letzten Tagen bin ich auf 2 Messen gewesen: Vergangenen Freitag auf der “Medica 2006” in Düsseldorf, gestern und vorgestern hier in Münster auf der “Business online“.

Auf der Medica habe ich mich den ganzen Tag in Halle 8 aufgehalten, um meinen Überblick über den Markt für Praxissoftware-Lösungen aufzufrischen. Positiv überrascht hat mich, daß es mehr linuxbasierte Lösungen gibt, als ich dachte. Das von einigen totgesagte “David” bzw. “David X” lebt noch, erfreut sich bester Gesundheit und wird allen Unkenrufen zum Trotz stetig weiterentwickelt. Neu hinzugekommen ist eine Linux-Version des kleinen aber feinen Programms “Arztpraxis Wiegand” und Dr. Claudia Neumann, die maßgeblich für die Portierung verantwortlich ist, ist eine kompetente Ansprechpartnerin auch für andere Linux-Themen. Endlich mal mit jemandem fachzusimpeln, der weiß, wer “Etch” und “Sid” sind. ;)

Negativ anzumerken sind die vielen meiner Ansicht nach lieblosen Programme: Oberflächen, die aussehen wie unter Windows 3.11, Farben, die Augenschmerzen verursachen und sich selbstverständlich nicht ändern lassen (obwohl man sonst alles einstellen kann) und schwerfällige, aufgeblähte Programme, die alles können, aber wichtige Grundfunktionien unnötig komplizieren. Häufig benötige Routineabläufe sind nur über unmögliche Shortcuts zu erreichen und in einigen Fenstern geht es wirklich nur mit der Maus weiter, wenn man nicht 20 mal TAB und Return drücken will. Eine schnelle und intuitive Bedienung per Tastatur ist ausgeschlossen.

Wenn man dann sieht, wie weit es einge Anbieter mit solchen Programmen bringen und was für riesige Stände sie sich auf der Messe leisten, fragt man sich wirklich, ob sich die Qualität oder der größte Finanzaufwand durchsetzt. Mein Tip: An solchen Ständen alle Werbegeschenke abgreifen und so viel essen und trinken wie es geht, um der Firma maximale Kosten zu verursachen. :)

Die “Business Online” war für mich weitgehend uninteressant, wenn man von conceptCMS der Firma mm-concept mal absieht. Deshalb habe ich mich fast die ganze Zeit auf dem der Messe angeschlossenen “linux.forum/nrw” aufgehalten und mir die Vortäge dort angehört. Die hatten es in sich: Erstklassige Referenten wie beispielsweise Marcel Holtmann vom Bluez-Projekt oder Ralf Spenneberg von Open Source Training haben Vorträge zu Themen wie “Sicherheit von Wireless Technologien”, “Virtualisierung mit XEN” oder “Serverüberwachung mit Nagios” gehalten. Zielgruppe der meisten Vorträge war allerdings ein zwar interessiertes aber wenig vorgebildetes Publikum, so daß ich mich manchmal doch gelangweilt habe. Trotzdem habe ich mir fast alle Vorträge angehört und kann nur jedem empfehlen, nächstes Jahr ebenfalls das “linux.forum/nrw” zu besuchen. Es lohnt sich!